Tauchplatzinfo

Am 12. Februar 1864, ca. um 09:30 Uhr, verläßt die "Jura" das schweizerische Romanshorn bei dichtem Nebel mit Kurs auf Konstanz. Vor Münsterlingen kollidiert sie um 11:00 Uhr mit dem Dampfboot "Stadt Zürich". Die "Stadt Zürich" bohrt sich kurz hinter dem Bug in die Steuerbordseite der "Jura". Die "Jura" versinkt innerhalb weniger Minuten, wobei ein Matrose im eiskalten Wasser des Bodensee ertrinkt. Alle anderen Passagiere und Mannschaftsmitglieder retten sich auf die "Stadt Zürich".

Am 25. September 1976 wird die "Jura" von dem Schweizer Hans Gerber nach langer Suche wiederentdeckt. Gerüchte um einen versunkenen Raddampfer hatten Hans auf die Spur der "Jura" gebracht. Nach langen Recherchen in diversen Zeitungsarchiven, Gesprächen mit alten Fischern und insgesamt 52 Tauchgängen konnte Hans Gerber seine Suche erfolgreich abschließen.

Bis ins Jahr 1984 wird die "Jura" unter Tauchern als Geheimtip gehandelt, doch nach einer Fernsehreportage avanciert die "Jura" zum beliebtesten und meistbesuchtesten Wrack im Bodensee. Heute tummeln sich besonders am Wochenende einige Tauchschiffe am Wrack, die Ausfahrten mit Hans sind dabei ein Erlebnis der besonderen Art. Es ist einfach faszinierend seinen Erzählungen von der Suche zuzuhören und anschließend das Wrack zu erkunden.

Das Wrack liegt zwischen Bottighofen und Münsterlingen in einer Tiefe von ca. 38 m, also ein Tauchgang für Fortgeschrittene. Wie überall im Bodensee ist auch hier eine kaltwassertaugliche Ausrüstung mit 2 kompletten Lungenautomaten, eine gute Lampe und eine vernünftige Wärmeisolierung Pflicht. Der Tauchgang zählt zu den anspruchvollsten im Bodensee, da der Ab- und Aufstieg im Freiwasser erfolgen. Wer nicht absolut sicher tarieren kann, sollte lieber die Finger davon lassen, da die große Tiefe fast immer zu einem Dekostop zwingt. Im Interesse der eigenen Sicherheit ist das Eindringen in das Schiff tabu. Es läßt sich gar nicht vermeiden, das feine Sediment aufzuwirbeln und die Sichtweite geht dann schlagartig gegen Null! Eine lebensgefährliche Situation für einen Taucher in enem abgeschlossenen Raum! Das Wrack bietet auch von außen genug Sehenswertes, so daß man sich solche "Kamikaze"-Ausflüge ersparen kann. Wer sich unbedingt auch einen Eindruck vom Inneren des Wracks verschaffen will, kann dies durch Bullaugen und offene Zugänge tun. Man bekommt dabei schon einen Vorgeschmack auf die "gigantischen" Sichtweiten im Wrack.

Das Wrack sollte mit Vorsicht betaucht werden, um es nicht zu beschädigen. Auch das Mitnehmen von Souvenirs sollte man im Interesse der noch nachfolgenden Taucher unterlassen. Mit der "Jura" haben wir ein faszinierendes Wrack in unserem Hausgewässer, wir sollten es daher so lange wie möglich erhalten.
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